Sport

Als nahezu vollständig erblindet starte ich in der internationalen paralympischen Wettkampfklasse B1 gemeinsam mit einem sehenden Guide. Geführt von seinen Kommandos starte ich sowohl im Biathlon- als auch im Langlaufweltcup.

Bei den Damen werden folgende Wettkämpfe ausgetragen:

Biathlon

Langlauf

Im Langlauf gibt es alle Wettkämpfe im Freistil und in klassischer Technik, je nach Veranstaltung wird durchgewechselt:

Beim Schießen verlasse ich mich auf mein Gehör. Über Kopfhörer höre ich Töne in unterschiedlichen Frequenzen, je näher am Mittelpunkt umso höher. Wie bei sehenden Biathleten besteht die Kunst darin, im richtigen Moment – das heißt für mich beim höchsten Ton – in Ruhe abzudrücken.

Meine Helfer

Martin und seine Frau stehen dicht nebeneinander und lachen in die Kamera
Meine größten Unterstützer: Martin Härtl und seine Frau, Christine Lippert

Mein Training funktioniert nur, weil mir viele Menschen und Verbände helfen. Martin Härtl ist seit vielen Jahren mein sehender Guide und Trainer. Er und seine Frau, Christine Lippert, absolvieren mit mir zahllose Trainingseinheiten, organisieren Trainingslager und unterstützen mich, wo sie nur können. Tausend Dank an Euch!

Ein großes „Dankeschön“ auch an meine Eltern, meine Schwester, meinen Freund und gute Freundinnen und Freunde, die mich in Trainingseinheiten unterstützen und mir zu Hause den Rücken frei halten.

Ich danke meinem Heimatverein, dem PSV München, dem Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband Bayern und dem Deutschen Behindertensportverband.

Seit 2019 bin ich Teil der Spitzensportfördergruppe der Bayerischen Polizei. Nur durch die einzigartige duale Förderung der Bayerischen Bereitschaftspolizei und des Bayerischen Landeskriminalamtes kann ich als paralympische Athletin meinen Sport professionell ausüben und gleichzeitig meine berufliche Karriere beginnen.

Wie geht das genau mit dem Schießen?

In der Klasse der Sehbehinderten wird auditiv mit einem elektronischen Gewehrsystem geschossen. Die Zielscheiben sind 10 m entfernt und haben einen Durchmesser von 21 mm.

Geschossen wird ausschließlich im Liegen. Die Waffen sind einheitlich genormt und liegen an den Schießständen bereit.

Am Anfang des Schießstandbereichs reiche ich Martin meine Stöcke und werde an diesen bis zur Schießmatte geführt. Er muss dann zurücktreten und darf nichts mehr sagen, sonst werden wir beide disqualifiziert.

Ich ertastet die Lage der Waffe und lege mich entsprechend dahinter. Der Kopfhörer wird aufgesetzt und das Gewehr aufgenommen. Je nachdem, in welchem Winkel die Waffe zur Zielscheibe gehalten wird, also wohin ich ziele, bekomme ich eine andere Tonfrequenz über den Kopfhörer übermittelt. Außerhalb des Zielbereichs ist es ein schnelles, tiefes Tack-Tack-Tack. Auf der Zielscheibe wird der Ton durchgehend und je näher man am Zentrum ist, immer höher.

Nun gilt es, möglichst schnell, den höchsten Ton zu ermitteln, die Waffe, trotz hohem Puls, ruhig zu halten und ab zu drücken.

Eine Serie hat fünf Schuss. Ein Fehler wird akustisch mit einem tiefen, »negativ-klingenden« Ton, ein Treffer mit zwei höheren, »freundlichen« Tönen angezeigt. Außerdem erscheint für Kampfrichter und Zuschauer auf der Zielscheibe ein rotes oder grünes Licht.

Je nach Wettkampf wird, wie beim olympischen Biathlon, dann entweder für jeden Fehler eine Strafrunde gelaufen, oder eine Strafzeit auf die Laufzeit addiert.

Welche Startklassen gibt es im Ski Nordisch?

Bei Wettkämpfen des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC) gibt es drei verschiedene Startklassen:

  • Visual Impaired (Sehbehinderte Athlet*innen)
  • Sitting (Athlet*innen, die sitzend fahren)
  • Standing (Athlet*innen mit körperlichen Einschränkungen, die aber stehend laufen)

Innerhalb dieser drei Startklassen wird mit Hilfe eines Prozentsystems ein möglichst fairer Wettkampf zwischen Athlet*innen mit unterschiedlich starken Einschränkungen ausgetragen. Meine Startklasse »Visual Impaired«, Damen, hat wiederum die drei Unterklassen, B3, B2 und B1. Dabei werden bei den Athletinnen der Klasse B3, die noch einiges auf der Strecke erkennen können, 100% ihrer Laufzeit gewertet. Wer sehr schlecht sieht, startet in der Klasse B2 und bekommt 99% der Laufzeit gewertet. In der Klasse B1 starten Athletinnen, die gar nichts oder so wenig sehen, dass sie von der Strecke und ihrem Guide nichts erkennen können, so wie ich. Wir müssen im Wettkampf zudem eine völlig abgedunkelte Brille tragen und bekommen nur 88% der Laufzeit gewertet. So können alle sehbehinderten Athletinnen gegeneinander antreten, obwohl sie unterschiedlich gut sehen.